Die Heilige Familie

In zahlreichen mittelalterlichen Altarbildern ist ein beliebtes Motiv zu sehen, das nicht in den Evangelien, sondern in der christlichen Legende belegt ist: die „Heilige Familie". In der Predella des Schreins steht die Szene an zentraler Stelle.



Im Zentrum sitzen Maria, die Mutter Jesu, und ihre Mutter Anna auf einer Bank. Maria hält den Jesusknaben, der auf ihren Knien steht und sich Anna zuwendet. Anna reicht ihm mit einer Hand Trauben und weist mit der anderen zur Bibel auf ihrem Schoß. Damit will diese Darstellung auf das spätere Wirken Christi hindeuten. Rechts neben Anna steht Elisabeth, Marias Cousine, und hat auf ihrem Arm Johannes, der Jesus im Jordan taufen wird. Hinter der hohen Bank sind die drei Ehemänner Zeugen der Szene, Joachim, Cleophas und Salomas, wie sie der Heiligen Anna von der Legende zugesprochen sind, und ringsum sind deren Kinder und Enkel verteilt . Man könnte sagen, Anna feiert einen Sippentag, so wirkt die ganze Szene lebendig und fröhlich mit Jesus in der Mitte.Und einen besonders anheimelnden Akzent setzen die Kinder.





Die Frauen und Männer sind reich gekleidet, sie tragen Hauben und Hüte nach dem Zeitgeschmack des 16. Jahrhunderts, der Zeit, in der das Retabel entstand. Die reich verzierten Baldachine, die vergoldeten Säulen und Fenster im Hintergrund zeigen – wie in allen anderen Schreinen – die fromme und hohe Verehrung des „heiligen Geschehens“ durch die Menschen des ausgehenden Mittelalters.


Die „Darbringung“ im Tempel