Szenen im Maßwerk

Der Altar ist in seinem Bilderreichtum und seiner Bildervielfalt für den Betrachter im ersten Augenblick überwältigend. Das Auge läuft von Personengruppe zu Personengruppe, bleibt hier und da an Einzelpersonen haften. Der Betrachter ordnet seine Eindrücke und gelangt mehr oder weniger schnell zum Erkennen des Dargestellten.
Mit Sicherheit entgehen ihm Einzelheiten in den Szenen selbst und noch mehr in den Randzonen des Schnitzwerks. In dessen Aufbau spielen Architekturelemente eine große Rolle. Pfeilerbündel und Lisenen sowie erkerförmige Vorbauten mit Maßwerkfenstern gliedern das Schnitzwerk in der Vertikalen und begrenzen somit die einzelnen Schreine. In der Horizontalen sind es Maßwerkkonstruktionen, die jeweils den oberen Abschluß der Szenen bilden und wie Theatervorhänge wirken.





Alle diese Elemente sind vergoldet und verstärken auf diese Weise den prachtvollen Anblick. Aber nicht genug damit: Man könnte meinen, die Künstler oder ihre Auftraggeber hätten leere Stellen, d. h. nur die schlichten Trennpfeiler, vermeiden wollen. Deswegen wurden kleine Szenen eingebaut bzw. davorgesetzt. Sie stehen scheinbar mit den Schreinen in keinem inneren Sinnzusammenhang, erinnern jedoch an Einzelheiten der biblischen Überlieferung und können damit durchaus unterstützende Wirkungen für die Verkündigung haben. Was die künstlerische Seite dieser Randszenen angeht, muss festgestellt werden, dass sie gröberer Natur sind und dass ihnen die Eleganz und der Schmuck der Schreinfiguren fehlen.

Zur Orientierung dient folgende Übersicht:




1 Sündenfall
2 Vertreibung aus dem Paradies
3 Tempelreinigung
4 Salbung durch Maria Magdalena
5 Jesu Taufe im Jordan
6 Prophet
7 Höllenfahrt Christi
8 Fischzug des Petrus
9 Mahl
10 Prophet
11 Berufung des Petrus
12 Ungläubiger Thomas


Sündenfall