Auffindung des Kreuzes Christi



Das zweite Tafelbild setzt die Geschichte Konstantins fort. Nicht der Kaiser ist jedoch im Mittelpunkt, sondern seine Mutter Helena. Sie stammte aus Kleinasien, heiratete einen römischen Offizier, kam mit ihm, der später Kaiseranwärter wurde, in die westliche Reichshälfte. Sie ließ sich taufen, während ihr Mann der römischen Götterwelt verhaftet blieb. Nachdem beider Sohn Konstantin Kaiser geworden war, regierte der nur noch kurz von Trier aus und machte dann Byzanz zur Hauptstadt, nach ihm Konstantinopel genannt, um näher an den politischen Brennpunkten im Osten zu sein. Helena verbrachte ihr Leben weitgehend in Trier, unternahm aber mehrere Reisen in den Osten. Im Alter von über 75 Jahren kam sie nach Palästina und besuchte Jerusalem. Dort hatte etwa 200 Jahre vorher der römische Kaiser Hadrian einen Aufstand der jüdischen Bevölkerung niedergeschlagen und die Kreuzigungsstätte, die von den ersten Christen verehrt wurde, mit einem Tempel der Aphrodite überbauen lassen. Helena veranlasste den amtierenden Bischof, das Felsplateau Golgatha freilegen zu lassen und dabei das Kreuz Christi zu suchen. Man fand verschiedene Grabstätten und auch Kreuze.





An diese geschichtlichen Tatsachen knüpft das Tafelbild an, indem es inhaltlich eine Legende wiedergibt. Denn man fand unter dem antiken Tempel angeblich drei Kreuze. Um das wahre Kreuz Christi zu identifizieren, bettete man einen Toten nacheinander auf die Kreuze. Und bei dem Kreuz Christi geschah das Wunder: Der Tote erwachte zu neuem Leben. Diesen Augenblick zeigt das Bild. In der Mitte richtet sich ein hagerer und offensichtlich sehr kranker Mann, der noch halb in sein Leichentuch gewickelt ist, langsam auf. Mit der einen Hand stützt er sich auf ein Holzbrett, während er noch auf dem dunklen Balken sitzt, der einst zu Christi Kreuz gehört hat. Er blickt zu Helena, die vor ihm kniet. Sie ist in kostbare Kleider gehüllt und trägt als Zeichen ihres Standes – Konstantin hatte seine Mutter zur „Augusta“, also zur Kaiserin und Mitregentin, gemacht – eine prächtige Krone. Sie scheint in ein Gebet vertieft, das vielleicht die Bitte an Gott zum Inhalt hat, er möge sie durch ein Wunder das wahre Kreuz finden lassen. Es ist jedoch auch möglich, dass sie durch das bereits eingetretene Wunder dem heiligen Kreuz jetzt schon sehr nahe ist und es dankbar verehrt.

 


In der Mitte der Tafel hat ein Mann die Grabarbeiten unterbrochen, um zu verschnaufen: Er hat die Ärmel aufgekrempelt, den Hut auf den Rücken rutschen lassen; er stützt sich auf seinen Spaten. Seine Haltung kann aber auch schon angesichts des sich vor seinen Augen abspielenden Wunders ein Gebets- und Verehrungsgestus sein.





Hinter dem Wiedererweckten stehen zwei Männer, von denen der linke an der Krone, an dem mit Hermelinpelz besetzten Brokatgewand und dem Zepter nur als der Kaiser Konstantin selbst identifiziert werden kann. Er weist mit seiner das Zepter haltenden Hand auf das Grab und erklärt dem neben ihm Stehenden den Vorgang, den er offensichtlich selbst veranlasst hat. Am linken Bildrand sind zwei Damen des Gefolges der Kaiserin Helena zu sehen, die mit ernstem Blick das Geschehen bestaunen. Im Hintergrund schließt sich eine üppige Parklandschaft an und bildet mit ihrem Grün und dem Blau der fernen Berge einen deutlichen Kontrast zu dem Dunkel der Grabstelle und dem sandigen Boden davor, den Gesteinsbrocken bedecken.




Konstantins Sieg an der Milvischen Brücke
Bestrafung des Kreuzräubers Chosrau