Konstantins Sieg an der Milvischen Brücke



Die vier Tafeln der Predella-Zone haben das Kreuz zum Inhalt, das in markanten geschichtlichen Situationen gezeigt wird. Dieser Zyklus beginnt links mit der Schlacht an der Milvischen Brücke, die den Tiber überspannte und über die man Rom erreichte, wenn man von Norden kam. Das Römische Reich wurde um 300 n. Chr. von vier Herrschern regiert, zwei Hauptkaisern und zwei Unterkaisern, die im Regelfall beim Tod der Hauptkaiser an deren Stelle treten sollten. Diese Regel traf im Jahre 313 auf Konstantin zu, doch wurde ihm die Nachfolge von dem Mitbewerber Maxentius streitig gemacht. Konstantin wollte seine Ansprüche mit Waffengewalt durchsetzen und zog mit einem Heer nach Rom. Maxentius verstellte ihm mit weit stärkeren Streitkräften den Weg. In zeitgenössischen Quellen von Lactanz und Eusebius finden sich Angaben, dass Konstantin im Traum Christus gesehen habe und eine Stimme ihm verkündete „in diesem Zeichen wirst du siegen“. Mit dem Zeichen sei das Christogramm gemeint gewesen, das in griechischen Buchstaben den Anfang des Wortes’Christus’ (XP > Chr) darstellt. Darauf soll Konstantin seinen Soldaten befohlen haben, dieses Zeichen auf ihre Schilde zu malen. In der Schlacht hat Konstantin trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit den Sieg davon getragen, und Maxentius ist im Tiber ertrunken.





Unser Altarbild unterscheidet sich erheblich von diesen Angaben. Es zeigt die Tiberbrücke, auf der ein Zweikampf zwischen prächtig gerüsteten Personen stattfindet. Der Kämpfer mit dem rötlichen, weitausladenden Helmbusch ist Konstantin, der seinen Widersacher mit einem langen Schwert niederstreckt. Dieser kann trotz seiner emporgereckten Waffe den Stoß nicht mehr parieren und kommt zu Tode. Der Rest der Darstellung ist Staffage: die Pferde, die, prächtig gesattelt, im Vordergrund verschnaufen bzw. im Fluss saufen, die Brücke, die schon ein wenig baufällig zu sein scheint, eine Menge Soldaten mit hocherhobenen Lanzen überall im Bild, das Feldherrnzelt, vor dem ein Engel dem Anführer offensichtlich etwas verkündet – es könnte auch eine Anspielung auf Konstantins Traum sein, und schließlich die baumbestandene Landschaft, die sich am Horizont in bläulichen Bergen verliert.


Schlacht an der Milvischen Brücke A



Dem Maler kommt es nur darauf an, den Sieg Konstantins zu zeigen. Von anderen Versionen der Überlieferung, die von dem Christogramm auf militärischen Fahnen und von der Vision eines Kreuzes in einem Licht über der Sonne berichten, ist nichts zu sehen. Immerhin hatte irgendein späterer Maler ein Kreuzzeichen im Hintergrund des Bildes eingefügt, das aber bei der Restaurierung des Altares vor ca. 30 Jahren als nicht original erkannt und demzufolge getilgt wurde. So konzentriert sich der Altar allein auf den Kaiser Konstantin den Großen, der nach seinem Sieg an der Milvischen Brücke für die Anerkennung des Christentums im ganzen Römischen Reich gesorgt hat, wenn auch die heidnische Welt weiter existierte, denn auf Münzen, die um 325 geschlagen wurden, ist Konstantin noch zusammen mit Sol Invictus, also dem römischen Sonnengott, zu sehen.


Kreuzeslegenden
Auffindung des Kreuzes Christi