Abraham und Melchisedech

Die äußere linke Tafel zeigt die Begegnung von Abram, - später erhält er von Gott den Namen Abraham, Vater vieler Völker - mit Melchisedech, dem König von Salem, der ein Priester des Höchsten war. Diese biblischen Bezeichnungen (1. Mose, 14) können wohl so gedeutet werden, dass Melchisedech ein „Hohepriester“ war, und zwar von Jerusalem. Sein Name selbst lässt sich als „König der Rechtschaffenheit“ deuten.
In einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Stadtkönigen Kanaans wird ein Verwandter Abrams mit Hab und Gut entführt. Als dieser davon erfährt, setzt er mit einer großen Zahl eigener Knechte den Feinden nach, kann sie besiegen und seinen Neffen wieder zurückbringen.



Bei seiner Rückkehr wird er von Melchisedech begrüßt, der ihm Brot und Wein herausbringt. Das ist ein deutlicher Hinweis auf das spätere Abendmahl, wenn auch noch nicht von einem Opfer gesprochen werden kann. Immerhin ist es Melchisedech, der als erster Priester namentlich in der Bibel genannt wird und der in der Ausübung seines Amtes im Gegensatz zu späteren Priestern auf blutige Tieropfer verzichtet. Seine Person kann so auf Jesus Christus und die von diesem gestiftete Eucharistie gedeutet werden.
Das Tafelbild zeigt das Gelände vor der Stadt Jerusalem, natürlich im Stil einer Renaissance-Stadt gebaut, und vor dem Tor eine siegreich zurückkehrende Reiterschar, über der triumphierend eine Fahne geschwenkt wird. In den Augen der Soldaten funkeln noch Kampfesmut und wilde Entschlossenheit.



 


Im Vordergrund ist dagegen Abram auf die Knie gesunken. Er hat das Schwert in seine Linke genommen, den Helm abgesetzt und auf den Boden gelegt. Er ist nicht mehr der kampfbereite Anführer, sondern der untertänige, gehorsame Diener gegenüber dem Vertreter der göttlichen Macht. Beide sind prachtvoll gekleidet, wie es ihr Beruf verlangt: Abram in einer schimmernden Rüstung, angetan mit einem ledernen Brustpanzer, metallenen Beinschienen und hohen Lederstiefeln. Sein Gegenüber trägt ein bis auf den Boden reichendes helles Untergewand, darüber ein Oberkleid aus kostbarem Brokatstoff und einen mit goldfarbenem Schal umwundenen Priesterhut. Das ist jedoch nur Beiwerk: Im Mittelpunkt steht die Überreichung des Brotes, das wie ein heutiges Brötchen aussieht, und des Weines in einem verzierten Zinnkrug. Diese Bestandteile eines Mahles stellen die sichtbare Verbindung zwischen den beiden Personen dar und weisen den Betrachter auf den Sinn des Abendmahles und die damit verbundene Segnung hin. Die Eucharistie wird vom 14. Jahrhundert ab zunehmend verstanden als Ablass, d. h. einen Sündenerlass schon im Diesseits, und nicht nur als Erinnerungsmahl an die Heilstat Christi.


Bilder zur EUCHARISTIE
Mannalese