Engel mit Marterwerkzeugen

Kleidung und Flügelfarbe der beiden Engel sind unterschiedlich. Der linke hat ein hellblaues Gewand, seine ausgespannten Flügel sind rot, bei dem rechten ist das Gewand gelblich, die Federn der Flügel sind blau. Durch die im Luftzug wehenden Gewänder wird eine starke Bewegung nach rechts erkennbar. Dadurch dass der rechte Engel seinen Oberkörper zur Seite dreht, sind die beiden Himmelsboten jedoch einander zugewandt. Beide tragen mädchenhafte rotblonde Frisuren, ihre Gesichtszüge wirken angestrengt.





Die Engel sind offensichtlich dabei, Gegenstände entschlossen zu entfernen. Bei dem rechten Engel ist das eine Peitsche, in deren Striemen Bleistücke eingeflochten sind. Damit wird deutlich, dass es hier um das Marterwerkzeug geht, unter dem Jesus bei der Geißelung gelitten hat. Und in den gleichen Zusammenhang gehört die Säule, die der linke Enkel geschultert hat. Es ist der steinerne Pfahl, an den Jesus bei der Auspeitschung gebunden war. Die Gegenstände erinnern also an die Passion Jesu, werden hier aber fortgetragen, weil Jesu Leiden beendet sind. Die Marterwerkzeuge werden in der Kunstgeschichte „arma Christi“, d. h. Waffen von Christus, genannt und waren anfangs Zeichen von Triumph und Majestät. Erst seit dem 14. Jahrhundert versinnbildlichen sie die Leiden des Gottessohnes, der um die gleiche Zeit vielfach als „Schmerzensmann“ dargestellt ist und die Gläubigen zum meditativen Nacherleben seiner Qualen bringt.