Vortrag zur Lukasgilde

Die Lukasgilde - Vortrag von Dr. Ulrich Schäfer

Herr Dr. Ulrich Schäfer, Kunsthistoriker aus Münster, zeichnete in seinem Vortrag den Hintergrund der Antwerpener Retabel-Produktion. Er machte Angaben zu der Bedeutung der Stadt und der Entstehung der Lukasgilde, die sich in den 1470er Jahren eine klare „Geschäfts“-Ordnung gegeben hat, in der z. B. festgelegt war, welches Holz die Schnitzer zu bearbeiten hatten, auf welche Weise Unternehmer und Subunternehmer zusammen arbeiteten und in welchen Schritten ein Werk begutachtet und ausgeliefert wurde.
Die an der Produktion Beteiligten waren in einer Bruderschaft organisiert, die in der Antwerpener Kathedrale eine Kapelle unterhielt, d. h. für die Ausstattung sorgte und die in finanzieller Hinsicht für die Versorgung durch Priester zu sorgen hatte. Als Patron hatte man sich den seit der Antike als Maler angesehenen Apostel Lukas erkoren, der traditionell auf Bildwerken gezeigt wird, wie er die Gottesmutter Maria malt.
Über die Bruderschaft der Lukasgilde gibt es in Antwerpen detaillierte Listen. Allerdings enthalten sie nur die Namen der beteiligten Meister in den verschiedenen Fachgebieten wie z. B. Schnitzer, Fassmaler, Tafelmaler, Vergolder usw. und der Lehrlinge. Es ist anzunehmen, dass die Werkstätten relativ klein waren, einen Meister bzw. Hauptunternehmer aufwiesen, der einige wenige Lehrlinge anleitete, dem aber auch vier oder fünf Gesellen zuarbeiteten, die jedoch in den Listen nicht genannt werden.
Die Lukasgilde war darüber hinaus die „Rederijkerskamer ‚De Violieren’“, d. h. eine Redner- oder Rhetorik-Kammer, die sich eine Blume, etwa die Levkoje, als Symbol gewählt hatte. Diese Vereinigung war wohl hierarchisch gegliedert und veranstaltete regelmäßige Feste und Feiern.
Herr Dr. Schäfer wandte sich dann Detailfragen zu, etwa den Kosten, über die im Vergleich mit anderen Altären, die dokumentiert sind, Anhaltspunkte über die Beträge zu gewinnen sind. In gleicher Weise lassen sich Angaben über die Art der Transporte, die Auslieferung der Werke und ihre Aufstellung erhalten. Wie aber der Weg der Beschaffung der Aufträge durch die Meister war, oder ob Stifter in Antwerpen ‚Ausstellungen’ besuchen oder ‚Musterbücher’ einsehen konnten, bleibt wegen fehlender schriftlicher Quellen weitgehend im dunklen.
Da im Vortrag mehrfach der Satz enthalten war: „Darüber wüsste ich auch persönlich gern mehr.“, bleibt vorerst vieles noch Spekulation und müsste weiter untersucht werden. Klar ist aber, dass von Albrecht Dürer anlässlich seines Aufenthaltes in Antwerpen deutliche Einflüsse, was das Bildprogramm und seine Darstellung angeht, unverkennbar sind.


Vortragsankündigung
Aushang an der Kirche (05.12.2012)