Aushang an der Kirche

Aushang an der Kirche

Im Schaukasten an der Altstädter Nikolaikirche werden von Zeit zu Zeit Fotos des Altars mit einigen Erklärungen veröffentlicht. In diesem Herbst sind dabei Teile der Werktagsseite Gegenstand der Betrachtung gewesen.
Eine Fortsetzung ist jetzt zu Beginn des neuen Kirchenjahres nicht angezeigt. Um aber nicht wieder einfach den Schrein mit der Geburtsszene zu zeigen, soll der Weihnachtszeit einmal etwas anders Rechnung getragen werden.

Unsere Engel

Weihnachten – himmlische Heerscharen – Engelchöre
Solche Assoziationen sind naheliegend und hier Anlass, der Darstellung von Engeln in unserem Altar Aufmerksamkeit zu schenken, da sie mitunter aus der Ferne kaum zu entdecken sind.
Die Bezeichnung „Engel“ ist von dem griechischen „angeloi“ abgeleitet, das ‚Boten’ bzw. ‚Abgesandte’ bedeutet. Es sind Geistwesen, die die Rolle von Mittlern zwischen der Gottheit und der Welt spielen. Engel sind im Judentum, im Christentum sowie im Islam bekannt, und auch in der Vorstellung anderer Religionen, speziell im Orient, spielen sie eine Rolle.Unser Altar zeigt Engel, gemalt oder geschnitzt, in unterschiedlichen Situationen, die alle in der Heilsgeschichte von großer Wichtigkeit sind.





Der Erzengel Gabriel kündigt Maria an, dass sie schwanger werden und einen göttlichen Sohn gebären wird, der Jesus heißen soll. (Lukas 1,31)    


Dieser Engel vertritt in der Geburtsszene die himmlischen Heerscharen, die der Welt die Ankunft des Heilands verkünden und Gott loben mit den Worten: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. (Lukas 2,14) 


Seit Anbeginn der Schöpfung ist der Mensch ein Sünder und vom Angesicht Gottes vertrieben durch einen seiner Engel mit einem blitzenden Schwert (1. Mose 3,24)   Der Mensch braucht Erlösung; das wird durch diese Randszene neben der Kreuztragung deutlich. 


Bei Jesu Taufe bezeugt ein Engel, der hier das Gewand hält, dass Gott zugegen ist und sich zu seinem Sohn bekennt. Seine Stimme kam aus dem Himmel und sprach: Du bist mein lieber Sohn, an Dir habe ich Wohlgefallen. (Lukas 3,22) 


Die Heilsgeschichte erreicht mit der Kreuzigung Jesu ihren Höhepunkt. Hier sind Engel die nachdenklichen und anbetenden Zeugen, bei aller Trauer auch Symbole der Tröstung und Stärkung.
Sie heben das irdische Geschehen in eine höhere Sphäre.



Christus hat mit seinem Tod die Welt erlöst.Sein Leiden war unendlich groß, was auf den Bildtafeln der Rückseite des Altars durch die Martersäule auf der einen Seite und durch die mit Eisenstacheln bewehrte Peitsche auf der anderen deutlich wird. Aber es ist vollbracht, Engel können die Leidenswerkzeuge entfernen. Diese sind jetzt Symbole des Sieges und des Triumphes über den Tod. 


Alle Darstellungen der Engel sind bis hierher mit dem theologischen Programm des Altars verknüpft und können den Betrachter zum Nachdenken, zur meditativen Versenkung in die Passion Christi anregen. Für die Engel in der Spitze des Altars, die als Wappenträger fungieren, gilt das nicht. Dieses Detail ist nicht geklärt.

   


Aushang (neu)

Aushang an der Kirche (09.03.2012)
E N G E L

In den letzten Wochen wurden hier die Engel vorgestellt, die in unserem Altar die göttliche Präsenz im Heilsgeschehen (speziell bei der Geburt Jesu und bei seiner Passion) anzeigen. (vgl. Archiv)

Es gibt aber auch noch Engel in anderen Situationen. Sie befinden sich auf den gemalten Tafeln der Rückseite unseres Altares.

Konstantin

Beinahe unscheinbar klein und deshalb kaum zu erkennen ist das göttliche Eingreifen in der Szene, die den Sieg Kaiser Konstantins des Großen 312 n. Chr. über seinen Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke nahe der Stadtgrenze Roms zeigt.
Während im Vordergrund und damit für den Betrachter deutlich erkennbar der Zweikampf der beiden Kaiser-Anwärter steht, in dem Maxentius unterliegt, sieht man im Hintergrund das Feldherrnzelt Konstantins. Dieser ist im offenen Eingang in der Gesellschaft einer Engelsfigur zu sehen. Auf diese Weise stellt der Maler die Legende dar, nach der Konstantin in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht im Traum den Hinweis erhält, er werde im Zeichen Christi siegen. Darauf lässt er voll Vertrauen seine Soldaten ihre Schilde mit dem Christogramm, d. h. mit dem X für „Ch“ und dem P für das lateinische „R“ , also mit „Chr“, der Abkürzung für Christus, bemalen. Und er gewinnt den Kampf und den Thron.

Hier wirkt Gott in die ‚politische’ Geschichte hinein.



 


Heraklius

Unübersehbar ist der Engel in der Szene bei der Heimkehr des byzantinischen Kaisers Heraklius. Er hat die Sassaniden, die in der Spätantike an die Stelle der Perser getreten waren, besiegt. Ihrem Anführer Chosrau, der auf einem Raubzug das wieder entdeckte Kreuz Christi aus Jerusalem entführt hatte, hat er diesen Schatz abgenommen und seinen Feind mit dem Tode bestraft. Nun kehrt er triumphierend zurück und erwartet Anerkennung und lauten Jubel bei seinen Untergebenen. Aber da tritt ihm ein Engel entgegen und verwehrt ihm den spektakulären Einzug. Selbsterhöhung, maßloses Eingebildetsein, Ruhmsucht sind für Gott ein Greuel. Erst als er sich im Büßergewand, demütig und zu Fuß seiner Stadt nähert, wird er eingelassen.

Hier ist es weniger das geschichtliche Ereignis als vielmehr das menschliche Fehlverhalten, das durch den Gottesboten sichtbar gemacht wird. Und daraus ergibt sich für den Menschen die Konsequenz, dass er sich seiner Fehler und seiner Schuld bewusst werden muss. Nur so kann er vor Gott bestehen.



 


Gregorsmesse

Die dritte und letzte Szene zeigt die Messe des Papstes Gregor, der nach der Legende bei der Abendmahlsfeier eine Vision hat. Bei einigen Gläubigen, vielleicht auch bei ihm selbst, sind Zweifel aufgekommen, ob bei der Eucharistie wirklich Christi Leib und sein Blut ausgeteilt werden. Das ist zu allen Zeiten ein Geheimnis geblieben, das nur im Glauben erfahren werden kann.
Hier kann allein Gott dem Menschen diesen Glauben schenken. Der Maler hat das durch den Engel zum Ausdruck gebracht, der den Vorhang, der vorher den Blick auf Christus verdeckte, rafft und zur Seite zieht. Erst jetzt kann der Gläubige das Heilsgeschehen meditierend erfassen und bedenken.



 


Bitte

Möge Gott uns allen ein gläubiges Herz schenken, damit wir sein Wesen, seine Güte und Gnade und seine unendliche Liebe erkennen können!

Aushang an der Kirche (29.03.2012)

Jesu Antlitz in unserem Antwerpener Schnitzaltar

Dem Osterfest geht die Karwoche voraus. „Kar“, die erste Silbe dieser Bezeichnung, greift ein althochdeutsches Wort auf, das ‚Kummer’, ‚Trauer’, ‚Klage’ bedeutet und an Jesu Passion, d. h. an sein Leiden und seinen Tod, erinnert.
Anderswo wird diese Woche auch die ‚stille’, die ‚große’ oder auch die ‚heilige’ genannt. In dieser Zeit waren früher alle Vergnügungen und Fröhlichkeiten in der Öffentlichkeit untersagt, der Klang der Glocken wurde durch die Geräusche der „Ratschen“ ersetzt, der Speiseplan in den Familien nahm darauf Rücksicht.
Die Erinnerung an Jesu Kreuzestod steht im Mittelpunkt dieser Zeit. Unmittelbar veranschaulicht das das Bild des „Schmerzensmannes“, das die Gläubigen zur Meditation, d. h. zum gedanklichen Nachvollzug seiner Leiden und seines Todes, anregen sollte.

In unserem Altar, der ja ein Passionsaltar ist, wird Jesu Leiden in fünf Schreinen, d. h. in fünf Schnitzwerk-Szenen, sehr augenfällig. Für denjenigen, der vor dem Altar steht, sind Details mitunter nur zu erahnen, aber Vergrößerungen lassen Erstaunliches zu Tage treten.


Die Geißelung Jesu

Jesus, an eine Säule gebunden, wird grausam ausgepeitscht.
Sein Gesicht ist vom Schmerz gezeichnet,die Wangen eingefallen. Die Augen zeigen an, dass er bei Bewusstsein ist und das, was ihm geschieht, mit Ergebenheit annimmt.



Jesus bei der „Dornenkrönung“:

Die Soldaten des Pilatus verhöhnen Jesus, sie ziehen ihm ein besonderes Gewand an, schlagen, bespeien und verspotten ihn, indem sie von ihm wissen wollen, wer ihn geschlagen hat.
Und sie drücken ihm einen dornbesetzten Kranz auf seinen Kopf.
Jesus blutet, sein Mund ist stumm. Er scheint in sich gekehrt und trotz der Folter gefasst, sogar würdevoll.



Jesus in der Szene der Kreuztragung:

Jesus ist zum Tode am Kreuz verurteilt. Er muss sein Kreuz allein zum Hinrichtungsort schleppen. Das geht über seine Kräfte. Er scheint schwer zu atmen, sein Blick geht verloren zu den Umstehenden und sucht ihren Beistand. Nach dem Evangelium des Lukas sagt er ihnen: „Weint nicht über mich, sondern
weint über euch selbst und eure Kinder.“



Die Kreuzigung:
Jesus am Kreuz: Er ist von den gefühllosen Soldaten an das Holz genagelt worden, was ihm unsägliche Schmerzen bereitet. Er hört den Spott der Schaulustigen und wechselt ein paar Worte mit den beiden Verbrechern, die ebenfalls bestraft werden. Er fühlt seinen Tod kommen und befiehlt sich Gottes Gnade an.
Die Augen sind geschlossen, der Mund ist weit geöffnet, das Gesicht blutüberströmt.
Er hat seine Sendung erfüllt, es ist vollbracht.



Die Kreuzabnahme:

Der Leib Jesu wird vom Kreuz genommen. Jesus hat bis zum Abend am Kreuz gehangen. Hatte sein Gesicht im Augenblick des Todes, wie es scheint, einen schmerzverzerrten Ausdruck, so ist die Starre nun ein wenig gewichen.
Die Augenlider sind jetzt vollständig geschlossen, der Mund noch geöffnet, aber etwas entspannt.



Die Beweinung:
Jesu Leichnam ist auf den Boden gebettet worden, wo seine Mutter und seine Freunde von ihm Abschied nehmen können. Sie beweinen seinen Tod und salben seinen Leib für die Bestattung in einem Grab.
Der Gesichtsausdruck ist ganz und gar der eines leblosen Menschen. Die Augen haben sich wieder ein wenig geöffnet, ein vermeintlicher Blick geht aber ins Leere. Die ausgestandenen Schmerzen haben deutliche Spuren hinterlassen.



Die Grablegung:
Jesus ist umringt von seinen Anhängern, die um ihn trauern und seinen Körper zur Bestattung herreichten wollen.
Sein Antlitz ist, auch wenn nun ein anderer Blickwinkel eingenommen wird, kaum verändert. Die Augen sind geschlossen, die Lippen wirken wie aufgesprungen, Gesicht und Haare sind von Todesschweiß bedeckt, die Haut ist blutleer und wie aus Wachs. Es ist das Bild des Todes, wirkt aber hoheitsvoll und in gewisser Weise friedlich.



Es ist zutiefst bewegend, diese Bilderfolge in sich aufzunehmen. Dem Künstler ist es gelungen, bei den unterschiedlichen Szenen die Figur Jesu als identisch erscheinen zu lassen und die Gefühle herauszuarbeiten.
Der gläubige Betrachter kann sich das Geschehen vergegenwärtigen und in Meditation versinken. Der Begriff ‚Meditation’ ist mit ‚Medizin’ verwandt, und so haben Jahrhunderte lang die Christen das Bild des „Schmerzensmannes“ andächtig verehrt. Denn das Versenken in Jesu Passion - der ja auch den vielsagenden Titel ‚Heiland’ trägt - konnte ihnen etwas geben, getreu dem Wort des Propheten Jesaja (52,5) „Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Aushang an der Kirche (05.12.2012)

Weihnachten

Weihnachten

Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir?

So heißt es in einem bekannten Advents-Choral. Welche Antwort gebe ich mir darauf, welche Antwort haben Künstler in ihren Werken zum Aus-druck gebracht, wenn sie Christi Geburt darstellten?

In unserem Altar sehen wir bei näherer Betrachtung:

Maria

  Maria ist die hingebungsvolle Mutter, Verkörperung
ihres Wortes, das sie dem Engel Gabriel sagte, als
dieser ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus verkündete:
„Mir geschehe nach Gottes Willen.“
Ihr Antlitz hat einen abgeklärten, würdigen, auch ein
wenig stolzen Ausdruck.
 


Josef

Josefs Gesicht zeigt Zufriedenheit. Er ist sich seiner Verantwortung als Beschützer des Neugeborenen bewusst und nimmt diese Aufgabe entschlossen an.    


Engel

Der Engel ist ein stiller, in sich gekehrter Zeuge, der dem Geschehen Würde verleiht. Er weiß, dass dem Kind Anbetung gebührt.   


Stifter

Die Person, die als möglicher Stifter
anzusehen ist, zeigt Wachheit und eine
gewisse Selbstsicherheit. Er ist sich gewiss, dass es ein Vorzug ist, dem Kind dienen zu können.
 
 


Zeugin

In dieser Frau ist wohl eine fürsorgliche Amme zu sehen, die hellwach und dienstbereit das Geschehen verfolgt.   


Hirte1

Und nun die Hirten:  Das Gesicht dieses jungen Mannes verrät eine geradezu überschwengliche Freude. Er spürt, dass etwas Großartiges geschehen ist, das auch ihn betrifft. 


Musikant

  Zum Ausdruck großer Freude gehört Musik. Der Hirte betrachtet aufmerksam das Geschehen und gibt seinen Gefühlen durch das Blasen einer heiteren, vielleicht
auch etwas verhaltenen Melodie Ausdruck.
 


Hirte2

Dieser Hirte scheint freudig überrascht zu sein. Sein Gesichtsausdruck zeigt aufmerksame Zuwendung, ein ahnungsvolles Verständnis und eine zuversichtliche Annahme des Geschenkes, das die Geburt des Christuskindes bedeutet.   


Zeugen



Schluss

Diese Gesichter verraten schließlich Nachdenklichkeit, ein Nicht-Fassen-Können des Geheimnisses. Sie wenden sich jedoch nicht ab, sondern werden das Geschehen bedenken und mit Gottes Hilfe zu einer für sie wichtigen Einsicht kommen.
Allen Beteiligten ist Andacht, Anbetung und Beseeltheit anzumerken.

Aushang an der Kirche (Pfingsten 2013)

Das PfingstwunderPfingsten – die Bezeichnung kommt von πεντηκοστή ημέρα = pentekostē hēmera ‚fünfzigster Tag‘, denn das Fest wurde 50 Tage nach Ostern gefeiert – gilt als der Gründungs-Termin der Kirche.In der Apostelgeschichte wird erzählt, wie der Heilige Geist auf die ver-sammelten Jünger ausgegossen wird, so dass sie mit allen Sprachen der damaligen Welt begabt wurden. Das war die Voraussetzung zur Erfüllung ihrer Mission, allen Völkern das Evangelium zu bringen, d. h. die frohe Botschaft von der Erlösung durch den Heiland Jesus Christus.In unserem Altar veranschaulicht ein Tafelbild diese Geschichte: [2.825 KB]


Der Heilige Geist kommt in Gestalt einer Taube herab. Betrachtet man den Vogel in einer Vergrößerung, entdeckt man ein fast menschliches Gesicht.


Bezeichnend ist das strahlende Licht, das eine übernatürliche Erscheinung ausdrückt. Aus dieser Lichterschei-nung lösen sich feurige Zungen – so wird in der Bibel berichtet - , die sich auf die Anwesenden herabsenken.
Die Reaktion der Versammelten ist recht unterschiedlich.



Maria ist in ein Gebet versunken. Sie scheint zu verstehen, was vor sich geht. Durch den Geist, der von Gott dem Vater und seinem Sohn gleichermaßen ausgeht, wird eine Verbindung zwischen der irdischen und der göttlichen Welt geschaffen. Das war sicherlich tröstlich für alle, gerade aber für sie als Jesu Mutter. Ihre Züge sind entspannt, die überstandenen Schmerzen beim Kreuzestod ihres Sohnes sind einem friedlichen Ausdruck gewichen.
Bei den anderen wird im Gesichtsausdruck teils Entschlossenheit zur Übernahme der von Christus befohlenen Mission und Gehorsam sichtbar.



Für andere scheinen sich bei dem Erlebten Fragen zu ergeben, denen sie in Gedanken nachgehen. Mitunter drückt sich vielleicht auch leiser Zweifel aus. Einige lassen das Geschehen stumm auf sich wirken, während andere sich in einem leisen Zwiegespräch Gewissheit verschaffen.





Auf die Menschen in Jerusalem wirkte das Pfingstereignis auf unterschiedliche Weise. Die einen sahen in den Jüngern, die ihnen nun in ihren Sprachen von der Heilstat Gottes predigten, Betrunkene, denen der Wein die Zunge gelöst hatte.

Andere erinnerten sich aber gewiß auch an das Wort des Propheten Joel:
„Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen […] Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.“

Die Jünger können erste Erfolge verbuchen. Ihr Aufruf zur Buße und zur Annahme der Taufe auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, um den heiligen Geist zu empfangen, wird gehört und befolgt. Die Apostelgeschichte berichtet von 3000 neuen Gliedern der Gemeinde.

Aushang Dez. 2013

Aushang an der Kirche (24.12.2013)

Christi Geburt
Die Szene in unserem Altar

Schrein Geburt

Weihnachten

Bielefeld - Fromentières

Weihnachten – das ist die Geburt des Gotteskindes im Stall von Bethlehem.
Mit diesem Geschehen beginnt die Darstellung des Lebens Jesu im Schnitzwerk unseres Altars. Das neugeborene Kind bildet den Mittelpunkt, und die anderen Personen umringen es: Maria, Josef, die Hirten und ein Engel. Zusätzlich kniet eine Person in Gebetshaltung rechts von der Krippe. In ihr ist wahrscheinlich ein Stifter zu sehen. Alle schenken ihre Aufmerksamkeit dem Jesus-Kind, mit einem fröhlichen Gesichtsausdruck und ausholenden Gesten, die große Freude ausdrücken, heißen sie es willkommen.
Die Darstellung in unserem Altar ist durch die Farben und das Gold überaus prächtig.
In Frankreich, in dem kleinen Ort Fromentières in der Nähe von Reims, steht ein Altar, der viele Ähnlichkeiten mit unserem Retabel aufweist. Diese Ähnlichkeit ist in den Szenen, ihrem Aufbau sowie bei einzelnen Personen zu sehen, so dass man annehmen muss, die beiden Altäre stammen aus derselben Werkstatt in Antwerpen.
Als Beispiel sei hier die Person des Josef gezeigt, der sich am rechten Rand aufhält.

Gegenüberstellung Josef

 
Fromentières   Die Haartracht, der Bart, die Falten der Kleidung, alles scheint sich zu entsprechen. Nur der Mund ist in dem einen Fall geöffnet, im anderen geschlossen.  Bielefeld 


Aber welch ein Unterschied in der Erhaltung des Altares! Und das wird natürlich auch in der Gesamtszene deutlich:

Fromentières


Schluss

Wie glücklich können wir Bielefelder sein, dass unser Altar, wie Fachleute behaupten, weitgehend den Originalzustand bewahrt hat und ein echtes Schmuckstück unserer Kirche ist!
Der strahlende Glanz passt natürlich hervorragend zu Weihnachten, und so können wir uns an der Darstellung besonders erfreuen.

Forschung

Am 13. Juni 2013 haben die Kunsthistoriker Frau Ria De Boodt und Herr Dr. Ulrich Schäfer auf Ersuchen des Förderkreises das Passionsretabel in der Pfarrkirche Sainte Marie-Madeleine in Fromentières untersucht, fotografiert und anschließend in einer Dokumentation bewertet und erläutert.

Fromentières



Kreuzigung

Kaum zu erkennen ist die Szene, die Jesu Abstieg zu den Toten zum Inhalt hat. Sie wird in der Tradition auch als „Höllenfahrt Christi“ bezeichnet, während der Jesus in der Nacht nach seiner Kreuzigung in der Hölle die Seelen der Gerechten seit Adam befreit hat.


Die Stadttürme oben in der linken Ecke legen den Eindruck nahe, dass sich die Szene im Schoß der Erde, also im Reich der Toten, abspielt. Dieser Ort wird durch das weit geöffnete Maul eines Untiers angezeigt. Es ist der Höllenrachen, in dem die Toten auf den Tag des Jüngsten Gerichtes warten. Hier erscheint nun Christus mit dem Wanderstab, was ein vorübergehendes Geschehen andeuten soll, und fasst Adam an der Hand, um ihn und alle anderen aus diesem schrecklichen Ort herauszuführen. Die Kirchenväter haben diesen Vorgang mit verschiedenen biblischen Aussagen in Verbindung gebracht. In allegorischer Deutung wird diese Hölle als Gottverlassenheit verstanden. Jesus hat es auf sich genommen, den Menschen nahe zu sein, die sich gegen Gott entschieden haben.


Das wichtigste Ereignis ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Er hat den Tod besiegt und wird als Triumphator dargestellt, der die Siegesfahne schwingt. Das Bild macht deutlich, dass die Auferstehung ein überirdisches Geschehen ist, das wir nur im Glauben annehmen können. Und wir vertrauen auf Christi Wort:

Ich lebe und ihr sollt auch leben.
(Evangelium des Johannes Kap. 14, Vers 19)


Exkursion 2013
Exkursion 2009